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von Freitag, 02.07.2010 – Donnerstag , 08.07.2010
41 900 Liter Löschwasser pro Minute
Seit Freitag, dem 02.07.2010, befand sich die Feuerwehr Neuss in einem der größten Einsätze der letzten 25 Jahre.
Bei dem österreichischen Kartonhersteller FS Karton kam es auf dem Papieraußenlager Büdericher Straße zu einem folgenschweren Brand.
Als am 02.07.2010 die ersten Einsatzkräfte der Feuerwehr Neuss eintrafen, brannten schon 80% der Papierstapel auf der westlichen Lagerfläche (25 000 m²). Um eine Brandausbreitung auf die angrenzenden Gewerbebetriebe und insbesondere auf das Produktionsgebäude zu verhindern, wurden durch den Einsatzleiter unverzüglich weitere Einsatzkräfte angefordert.
Ein Übergreifen des Brandes auf das östlich gelegene Papierlager (5 000 m²) konnte zum Teil durch den Einsatz von Löschschaum eingegrenzt werden.
Kaum Rauch
Ein ganz spezieller Effekt wurde beobachtet: Die Rauchbelastung in der ersten Phase war vergleichsweise gering. Grund: Durch die hohe Brandtemperatur verbrannten die Papierballen eher „rückstandslos“.

Aufgrund der sehr starken Wärmestrahlung mussten sich die Einsatzkräfte zurückziehen. Teilweise schützten sie mit Strahlrohren die eigenen Fahrzeuge, damit diese nicht vom Feuer erfasst werden konnten.
Eine Brandausbreitung auf das Produktionsgebäude der Firma FS Karton konnte verhindert werden. Das vorgelagerte östliche Papierlager wurde von den Flammen (Flugfeuer) teilweise erfasst.
Schließlich wurde der sogenannte Vollalarm ausgelöst. Alle verfügbaren Einsatzkräfte der Feuerwehr Neuss wurden alarmiert. Auch Einsatzkräfte der Feuerwehren aus dem Rhein-Kreis Neuss wurden angefordert. Schon früh waren der Einsatzleitung die größten Schwierigkeiten dieser Einsatzstelle klar: 1. Die Wasserversorgung aus dem Hydrantennetz ist für einen solchen Großeinsatz nicht ausreichend. 2. Die große Hitze (durch das Feuer und durch das Wetter) gefährdet die Einsatzkräfte massiv. 3. Der Personaleinsatz wird lange anhaltend sehr groß sein.
So entschied man sich zu einem nie dagewesenen Schritt. Man forderte sowohl die nachstehend angeführten Feuerwehren als auch die sogenannten Bereitschaften NRW an.
Gegen 23.00 Uhr (die Feuerwehr Neuss war seit etwa 12.30 Uhr im Einsatz) waren dann über 300 Einsatzkräfte vor Ort. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Neuss wurden durch Einsatzkräfte aus Wuppertal, Solingen, Duisburg Mönchengladbach, Krefeld, Oberhausen, Düsseldorf, Essen und Remscheid abgelöst.
Ganz wichtig waren die Punkte Versorgung und medizinische Betreuung. Schon in der Frühphase wurde der Rettungsdienst des Rhein-Kreises Neuss angefordert. Mit über 100 Helfern wurde eine Unfallhilfsstelle für die Einsatzkräfte aufgebaut. Bis zum 06.07.2010 mussten 32 Einsatzkräfte behandelt werden. Neun von ihnen wurden in umliegende Krankenhäuser transportiert. Ein Feuerwehrmann wurde zur Beobachtung stationär dort behalten. Ein Radlader hatte versehentlich das Löschfahrzeug gerammt, hinter dem der Feuerwehrmann seine Tätigkeit als Maschinist durchführte. Die daran angeschlossenen Schläuche stießen dem jungen Mann gegen den Oberkörper. Wegen des Verdachts auf ein sogenanntes stumpfes Bauchtrauma wurde er ins Krankenhaus gebracht. Auch Augenverletzungen durch Asche und Staub mussten behandelt werden. Die meisten Behandlungen führte der Rettungsdienst ambulant durch. Die Ausgabe von Kopfschmerztabletten und die Vergabe von „Kühlpacks“ waren hier die Spitzenreiter.
Die Verpflegungstruppe des Rettungsdienstes waren in der Lage, über drei Tage hinweg 40 Einsatzkräfte gleichzeitig und über einen Zeitraum von ein bis zwei Stunden 100 Einsatzkräfte zu versorgen. Zu jeder Zeit standen allen Helfern Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie ausreichend Getränke zur Verfügung.
Nicht zu vergessen ist auch das Technische Hilfswerk. Neben der Beleuchtung der Einsatzstelle zur Nachtzeit stellte das THW sechs Radlader (Neuss, Hückelhoven, Düsseldorf, Duisburg, Siegburg und Moers), die halfen, das abgelöschte Papier zu verladen. Das THW baute auch eine große Schlauch-brücke und verhinderte mit Sandsäcken, dass Löschwasser eine benachbarte Halle überflutete. Auch die Helfer vom THW waren drei Tage und Nächte durchgehend im Einsatz.

Bereitschaft NRW
Der Regierungs-bezirk Düsseldorf ist in fünf Bereitschaften eingeteilt. Der Rhein-Kreis Neuss ist Teil der Bereitschaft 4. Diese Bereitschaft unterstützte z.B.im harten Winter am 03.02.2010 die Feuerwehr Remscheid beim Räumen der Schneelast von Hallendächern.

Zum Löschwassereinsatz ist folgendes zu berichten. Das Hydrantennetz (Sammelwasserversorgung) wurde den Anforderungen leider nicht gerecht. Aber wenn man weiß, dass alle 300 Einsatzkräfte zu Spitzenzeiten 41 900 L Löschwasser pro Minute abgegeben haben, ist dies sicherlich klar. Allein ein Löschgerät der Werkfeuerwehr BP war in der Lage, 20 000 L/min abzugeben. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, wurde die Löschwasserversorgung aus dem Neusser Hafen sichergestellt. Die Löschboote aus Düsseldorf und Neuss pumpten das Wasser über spezielle Schläuche quer über die Düsseldorfer Straße (Hauptverkehrsader zwischen Düsseldorf-Heerdt/Meerbusch/Krefeld und Neuss) bis hin zur Einsatzstelle. Insgesamt waren es über 14 km Schlauchleitung, die auf dem Gelände verlegt wurden. Noch lange Zeit war die Feuerwehr Neuss mit zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften (die teilweise auch aus der Freizeit in den Dienst kamen) dabei, die Schläuche und sonstigen Gerätschaften der am Einsatz beteiligten Feuerwehren zu reinigen und auch zu identifizieren. In der ersten Phase des Einsatzes sind sogar einige Schläuche verbrannt, die wegen der starken Wärmestrahlung zurückgelassen werden mussten.
Die Feuerwehr Neuss hat den Einsatz am Donnerstag, 08.07.2010, beendet. Ein großer und ereignisreicher Einsatz ist zu Ende.

Ein großer Dank gilt den Feuerwehren Dormagen, Grevenbroich, Jüchen, Rommerskirchen, Meerbusch und Korschenbroich aus dem Rhein-Kreis Neuss. Aus ganz NRW gilt der Dank den Feuerwehren aus Düsseldorf, Duisburg, Essen, Krefeld, dem Kreis Viersen, Mönchengladbach, Mühlheim, Oberhausen, Remscheid, Solingen und Wuppertal. Den Werkfeuerwehren BP Gelsenkirchen und Chempark Dormagen ist die Feuerwehr Neuss ebenfalls zu Dank verpflichtet. Ebenso den Rettungsdienstkräften vom Deutschen Roten Kreuz, der Johanniter Unfallhilfe und dem Malteser Hilfsdienst aus dem gesamten Rhein-Kreis Neuss. Nicht zuletzt bedankt sich die Feuerwehr Neuss beim Technischen Hilfswerk. Neben den Ortsverbänden aus Neuss und Grevenbroich kamen die Kräfte auch aus anderen Teilen von NRW.
Zusammen mit den eigenen Kräften der Feuerwehr Neuss (manche Feuerwehrleute waren an den 4 Einsatztagen bis zu 3 Mal für mehrere Stunden im Einsatz) waren es insgesamt über 1 000 Einsatzkräfte, die an diesem Einsatz beteiligt waren.
Aus Sicht der Feuerwehr Neuss ist die Zusammenarbeit mit der Firma FS Karton, der Firma Prangenberg & Zaum und der EGN (Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH) überaus positiv verlaufen.
Weitere Bilder können Sie auch in unserem Fotoalbum ansehen.
Ein Dank gilt hierbei auch Thomas Schumann für das zur Verfügungstellen seiner Bilder. |