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Besuch der Feuerwehr Neuss bei der Feuerwehr Bolu (Türkei) im Rahmen der Städtefreundschaft PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, den 25. August 2010 um 06:03 Uhr

Unter der Leitung des Stadtbrandinspektors Peter Schöpkens nahmen folgende Feuerwehrkameraden an diesem Besuch teil: Axel Gerding, David Kampmann, Daniel Küppers, Markus Brockers, Uwe Kever, Frank Königshofen und Bernd Ermbter.

 

1. Tag

Morgens um 05.30 Uhr wurden wir mit einem Mannschaftstransportfahrzeug zum Düsseldorfer Bahnhof gefahren, von wo es mittels ICE zum Frankfurter Flughafen und dann von dort ab weiter mit dem Flugzeug nach Istanbul ging.

Schon in Frankfurt gab es die ersten Komplikationen, da der Flieger verspätet und überbucht war.

In Istanbul wurden wir vom Städtebeauftragten und Dolmetscher Herrn Atalay sowie dem Pressesprecher der Stadt Bolu, Herrn Aydin, in Empfang genommen und in einem kleinen Reisebus nach Bolu gefahren.

Nach fast vierstündiger Fahrt, Raststättenstop mit reichhaltigem Essen eingerechnet, erreichten wir gegen Abend unser Hotel etwas außerhalb der Stadt Bolu. Das Hotel war im kanadischen Blockhausstil errichtet. Diejenigen, die nicht im Haupthaus untergebracht waren, kamen in einzelnen Blockhäusern unter. Alles in allem eine wunderschöne Anlage.

Nach dem Einchecken klang der Tag mit einem gemeinsamen Abendessen aus, bei dem auch der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Bolu, Herr Ismail Yamantürk  und der neue Feuerwehrchef Muzaffer Yildirim sowie einige Feuerwehrkameraden aus der Freischicht anwesend waren.

 

2. Tag

Nach einem reichhaltigen landestypischen Frühstück, zu dem es morgens schon Pommes Frites und gebratenes Allerlei gab, wurde Bolus Umgebung einer näheren Betrachtung unterzogen. Die in der Türkei berühmten 7 Seen sowie die Wälder und die Bergwelt rund um Bolu setzten uns ein ums andere Mal in Erstaunen. Wir kamen uns vor wie im Schwarzwald.

Unter fachkundiger Führung wurde am Nachmittag die Stadt zu Fuß erobert.

Am Abend gab es Essen beim „Kölschen Jong“ mit landestypischer Livemusik.

 

3. Tag

Für diesen Tag hatten sich die Feuerwehrkameraden aus Bolu was richtig Tolles einfallen lassen. Nach dem Frühstück wurden wir vom örtlichen Off-Road-Club mit 9 Geländewagen am Hotel abgeholt und in die Bergwelt rund um Bolu entführt. Die Tour führte durch ausgetrocknete Flussbetten steil nach oben, quer durch Flüsse und Seen (wobei das Wasser durch sämtliche Ritzen und Türen in die Fahrzeuge schoss), bis hin zu einem Schlammgelände, dessen Steigungen und Gefälle mindestens 45° aufwies.

Übrigens Grad: Die vorangegangenen und die kommenden Tage hatten im Schnitt 30° Celsius, .......... im Schatten !!

Zur Mittagszeit wurde gegrillt, bis dahin hatten wir den Ausfall des ersten Geländewagens zu verzeichnen. Im Verlauf der Tour kamen noch zwei weitere Pannen hinzu, die jedoch schnell behoben werden konnten.

Nach dem obligatorischen Abschlussfoto mit dem Off-Road-Club ging es dann zum Abendessen zurück ins Hotel, wo eine weitere Überraschung auf uns wartete. Das „Veranstaltungskomitee“ hatte am Hotelpool zum Abendessen eine Großbildleinwand aufgebaut, auf der wir das WM-Spiel Deutschland – Australien verfolgen konnten. Bemerkenswert war, dass die anwesenden türkischen Feuerwehrkameraden jeden deutschen Treffer ebenso lautstark bejubelten wie wir.

 

4. Tag

Das Wochenende lag hinter uns, und damit auch die Freizeit. Ab jetzt gab´s nur noch eins: FEUERWEHR !

Nach einer herzlichen Begrüßung durch die türkische Wachmannschaft und einer Führung durch die Feuerwache verbrachten wir den Vormittag mit theoretischem Unterricht.

Thema: Suchen, Retten und Bergen von im Wasser verunglückten Personen. Verschiedene Tauch- und Suchtechniken wurden erklärt ebenso wie das Absuchen von 10 x 10 Meter Quadraten unter und über Wasser. Auch ungewöhnlich waren die Kommunikationszeichen zwischen Bootspersonal und Tauchern bei nicht vorhandener Funkverbindung.

Nach dem Mittagessen, welches immer von der städtischen Küche geliefert wurde, ging es dann zu einem Stausee, wo die Theorie in die Praxis umgesetzt wurde. Axel Gerding und Daniel Küppers ließen es sich nicht nehmen, in Neoprenanzüge zu schlüpfen und jeweils mit einem türkischen Kollegen in die „Null-Sicht-Zone“ abzutauchen (beide verfügen über einen Tauchschein).

Der Rest der Neusser Mannschaft fuhr mit dem Außenborderschlauchboot die dazugehörigen Manöver.

Bei dieser Übung war auch ein Team des türkischen Fernsehens anwesend. Dieser Regionalsender, ähnlich dem heimischen WDR (Lokalzeit), strahlte die Aufzeichnung über die Zusammenarbeit der beiden Feuerwehren täglich aus. Im Übrigen war die örtliche Presse bei jedem Termin dabei, was sich in täglicher Berichterstattung in den örtlichen und überörtlichen Printmedien widerspiegelte.

A pro pos Schlauchboot: dieser Tag hat uns alle mächtig geschlaucht, so dass wir froh waren, nach dem Abendessen völlig platt in die Betten zu fallen.

 

5. Tag

Theoretischer Unterricht war angesagt, Thema: Höhenrettung, Absturzsicherung und aus leider aktuellem Erdbebenanlass das Thema Suche nach verschütteten Personen mittels Suchhunden. Spätestens jetzt war uns allen klar, dieser türkische Feuerwehrchef kann einfach alles. Nicht nur erklären, sondern er machte jedem von uns und den türkischen Kameraden klar, er beherrscht auch in der Praxis einfach alles.

Nachdem wir die verschiedensten Knoten, Karabiner, Klettergeschirre, Seile und deren Verwendung kennengelernt und dieses Wissen auf dem Gelände der Feuerwache an Bäumen und Seilen praktisch vertieft hatten, fuhren wir nach dem Mittagessen wiederum in die Berge, wo es richtig zur Sache ging. Besteigen von bis zu 12 Meter hohen Pfählen und das Überqueren von Schluchten mittels Rollgliss waren nur einige der Aufgaben, die wir zu bewältigen hatten.

Geschafft von all den Strapazen kam noch erschwerend hinzu, dass unser Dolmetscher, Herr Atalay, anlässlich seines Geburtstages uns zum Abendessen in ein besonderes Restaurant führte, es gab mehr als reichlich zu essen !!!!! (plus Geburtstagstorte).

 

6. Tag

Dies war der Tag des David Kampmann.

Zum theoretischen Unterricht war eine Grundschulklasse von 30 Kindern erschienen, die zum Thema Brandschutzfrüherziehung eingeladen war. Dies war ein Novum innerhalb der türkischen Feuerwehr, da es so etwas in der Türkei nicht gibt. Die Kinder folgten dem Unterricht des David Kampmann interessiert mit großen Augen und stellten begeistert Fragen zum Thema.

Was ist Feuer – was braucht Feuer zum Leben – sicherer Umgang mit Streichhölzern - warum ist Brandrauch tödlich – Verhalten im Brandfall – der richtige Notruf – was können Rauchmelder.

Dies alles wurde den Kindern altersgerecht erklärt. Zum Dank wurde uns von den Kindern die türkische Nationalhymne in Gedichtform vorgetragen. Im Gegenzug bekamen die Kinder eine mit ihrem Namen versehene Teilnehmerurkunde überreicht.

Da der Suchhund am Vortag leider nicht zur Verfügung stand, wurde uns dessen Können nach dem Mittagessen auf dem Gelände der Feuerwache vorgeführt.

Anschließend fand eine Vorbesprechung für die am nächsten Tag stattfindende gemeinsame Abschlussübung statt.

Da der Beginn der heiligen 3 Monate auf den nächsten Tag fiel, gab es die Abschlussfeier mit den türkischen Kameraden schon am heutigen Abend. Hierzu fanden wir uns nach knapp einer Stunde Fahrzeit durch die Wälder rund um Bolu in einem einsam gelegenen Gasthof ein. Zu diesem Anlass zogen wir uns die weißen Poloshirts mit aufgedrucktem Namen und dem Stadtwappen von Bolu an, welche wir am 4. Tag geschenkt bekommen hatten.

 

7. Tag

Nach dem Frühstück fand auf der Feuerwache eine Besprechung für die anstehenden Abschlussübungen statt. Hierbei wurde festgestellt, dass die türkischen Kameraden eine andere Vorgehensweise bei der technischen Hilfe bevorzugen als wir. Als Beispiel sei hier die patientenorientierte Rettung genannt. Wir einigten uns im Sinne einer erfolgreichen Übung auf eine gemeinsame Crash-Rettung.

Die türkischen Kameraden hatten auf dem Vorgelände der Feuerwache mehrere Schrott-Pkw´s  zusammengeschoben, welche als Übungsobjekte dienten.

 

1. Übung:  VU zwischen zwei Pkw mit eingeklemmter Person
Hier wurde mit türkisch/deutschen Trupps der Regelangriff mit Schere und Spreit-
zer vorgetragen.

2. Übung: VU zwischen zwei Pkw, beide Fahrzeuge im Vollbrand

Die beiden Kfz wurden mittels Brandbeschleuniger angezündet, wiederum gingen
gemischte Trupps zur Brandbekämpfung vor.

Die Einsatzleitung lag bei Peter Schöpkens, der seine Einsatzbefehle jeweils an einen türkischen und deutschen  Gruppenführer weitergab. Trotz sprachlicher Barrieren (der Dolmetscher konnte nicht überall gleichzeitig sein), verliefen die Übungen erfolgreich.

Auch hier war ein Fernsehteam anwesend, die Sendung lief schon am gleichen Abend auf den entsprechenden Sendern.

 

Nach einer herzlichen Verabschiedung von den türkischen Kameraden ging es zurück ins Hotel zum Duschen und Umziehen. Gala war angesagt (Commanderhose, weißes Uniformhemd und blankgeputzte Schuhe), der Bürgermeister von Bolu hatte zum Empfang geladen.

Bevor es ins Bürgermeisterbüro ging, gab es ein Mittagessen in der städtischen Küche.

Der Empfang des Bürgermeisters war geprägt von Dank und Anerkennung für das freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden Feuerwehren. Es sei eben nicht nur eine auf Papier festgeschriebene, sondern eine gelebte Freundschaft. Im Übrigen sei es von großem Nutzen gerade für die türkischen Kollegen, die Arbeitsweise der deutschen Delegation bei verschiedenen Einsatzszenarien kennenzulernen, auch wenn nicht alles immer und sofort

1 : 1 umgesetzt werden könne.

Zur Verabschiedung, bei der auch Gastgeschenke ausgetauscht wurden, sagte uns der Bürgermeister, wir seien keine Gäste, sondern Freunde, die nach Hause kommen.

Im Anschluss an den Empfang hatten wir noch etwas Zeit für einen kleinen Stadtbummel, bevor es zurück ins Hotel ging.

 

8. Tag

Frühes Aufstehen war angesagt, da wir gegen Mittag am Istanbuler Flughafen sein mussten, den wir wohlbehalten und pünktlich erreichten. Auf dem Rückflug nach Frankfurt, wir kreisten gerade über Serbien, wurde uns vom Flugkapitän der 0 : 1 Halbzeitstand des Spiels Deutschland - Serbien mitgeteilt. Wie das Spiel letztendlich ausging, ist hier nicht erwähnenswert.

Nach einer einstündigen Fahrt mit dem ICE wurden wir vom Kameraden Dieter Rubach am Düsseldorfer Bahnhof abgeholt und zur Neusser Feuerwache gefahren, wo uns unsere besseren Hälften einen herzlichen Empfang bereiteten.

 

Wir hatten eine anstrengende, interessante und ereignisreiche Woche hinter uns, in der auch der Spaß an der Sache nicht zu kurz kam.